Auf einem Floß durch die schwedische Natur, Teil 2, Kläralven, Värmland, Schweden

März 12th, 2014

Das letzte große Abenteuer bietet die schwedische Firma Vildmark i Värmland an: Fünf Tage auf einem Holzfloß, Übernachten in der Wildnis und Kochen in größter Not, Teil 2:

Der erste Teil der Reisebeschreibung handelte von:
Teil 1: Anreise, Vorbereitung, Einweisung und Bau
Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Leben auf dem Fluss:

Ein Holzfloss bewegen

Nach dem gleichmäßigen Beladen des Flosses werden die Paddel, Stakstange und die Schwimmwesten die wichtigsten Teile der Reise. Das Floss, mit seinen ca. 2 Tonnen Eigengewicht, reagiert auf Richtungswechsel mit einiger Verzögerung. Dann heißt es Paddeln und das in der richtigen Richtung. Besonders wirkungsvoll erwies sich das Herausdrehen des Flosses aus den ungewünschten Lagen und Richtungen.
Der Zeltaufbau ist bei überhängenden Bäumen genauso gefährdet wie kleine Kinder, Kaffeebecher und zum Trocknen aufgehangene Wäsche. Mit der Stakstange drücken wird das Floss vom Ufer weggeschoben. Das ist schwere Arbeit. Die Paddler unterstützen die Richtung mit kräftigem paddeln.
Bei Sandbänken heißt es ins Wasser springen. Allerdings nur mit Schwimmweste, da ganz plötzlich das Ende der Sandbank erreicht werden kann und der laufende Helfer auf einmal im tiefen Wasser ist.
Auf dem Deckel einer Kiste sind ein Geländeplan und die gefährlichen Ecken aufgezeichnet. Je nach Wasserstand und Veränderung des Flussbettes lässt sich das Floss navigieren. Wir schafften es zu dritt recht gut.

Das Anlanden

Zum Einkaufen und Übernachten wird das Floss an Land gebracht. Ein Flösser paddelt mit dem Kajak oder Kanu voraus und sucht nach einem kräftigen Baum und festem Ufer. Mit dem mitgenommenen Seil wird das Floss befestigt. Die Mannschaft auf dem Floss paddelt in Richtung des Ufers und entspannt so das Seil. Langsam schiebt sich das Floss an das Ufer und mit dem Kajak/Kanu kann an einer geeigneten Stelle angelandet werden. Kehrwasser eignet sich für Übernachtungen besonders gut, das Floss liegt ruhig.
Diese Manöver sind langfristig zu planen, da manch Versuch scheitert, kein Zeltplatz gefunden wird oder das Floss schneller war, als der Versuch einen geeigneten Baum zu finden.
Nach dem schwedischen Allemansrecht darf zwar überall gezeltet werden, wo es nachweislich keinen privaten Nutzer gibt, diese Stellen sind aber doch recht wenige. Zum Teil weisen Schilder auf das Privateigentum hin. Damit zum nächsten Punkt:

Die Übernachtung

Vom Veranstalter wird das Übernachten im Zelt angedacht. Sicherlich ist das bei einer geringen Besiedlung um den Fluss auch möglich. Wir fanden jedoch nur in der ersten Nacht einen Platz. Die folgenden Nächste blieben wir auf dem Floss. Und bereiteten so unseren Kindern unvergessliche Nächte auf dem Wasser!
Das Zelt auf dem Floss haben wir Innen mit Moskitonetzen ausgekleidet, Decken und Isomatten auf dem Holz ausgebreitet und die Kanusäcke (Drybags) zum Schutz des Kopfbereichs an die Stämme gelegt. Der Morgen begann mit Wasserplätschern. Der Toilettenbesuch an Land wird das erste Abenteuer des Tages. Über wankende Planken (wir hatten von jungen Flössern kleine Holzstühle bekommen und verwendeten diese als Steg) balancierten wir ans Ufer zu unserer Komforttoilette: Einem Eimer aus Gummi mit einem Loch im Boden, umgedreht auf das Erdloch gestellt, bot einen bequemen Sitz. Vor Mückenangriffen schützte Spray und eine Plane bot den nötigen Sitzschutz zum Wasser hin.

Die Verpflegung

Frühstück und Abendbrot sind am unkompliziertesten und sollte auch wirklich reichhaltig sein. Das Floss liegt ruhig am Ufer und alle können sich entspannen. Zum Kochen wird vom Veranstalter eine Metallplatte mitgegeben. Diese wird als Unterlage genommen. Mit dem Campingkocher kann gebrutzelt werden und Wasser aufgewärmt, Suppen gekocht und Abwaschwasser erhitzt werden. Der Vorteil auf dem Floss sind die kurzen Wege: Wasser gibt es ringsherum, in den Kisten sind alle Lebensmittel und der nächsten Kiste auch gleich der Müll. Trinkwasser allerdings sollte mitgenommen und dann auch aufgefüllt werden. Jeder Laden und jeder Zeltplatz gibt das Trinkwasser kostenlos ab.
Während der Flossfahrt fanden wir an keinem Tag eine ruhige Zeit zum Kochen oder Essen. Bereiteten wir das Essen vor, gerieten wir in ein Kehrwasser, in Richtung einer Sandbank, unter Bäume oder an große Steine. Trotzdem aßen wir immer gut, wenn auch sehr hektisch!

Der Abbau

Leider hat jede Reise ein Ende. Die Flossfahrt endet an festgelegten Plätzen. Nach dem Ausladen des Gepäcks, werden die Seile am Floss gelöst und die Stämme treiben in die Baumfalle. Der Abbau geht sehr schnell. Vergessen Sie nicht, vorher noch ein paar Fotos zu machen.

Unsere Erkenntnis

Die Bewegung auf dem Fluss war wundervoll, das Schlafen auf dem Floss das tollste Erlebnis seit langem, die Fahrt und das Navigieren waren sehr anspruchsvoll. Wir empfehlen dieses Abenteuer Familien mit Kindern ab 8 Jahren und gern auch als Gruppe mit mehreren Familien.
Was uns besonders gefiel: In Ruhe die Beine ins Wasser stecken, während das Floss im Wasser treibt. Unser Ruhetag mit viel Zeit zum Paddeln, Lesen, Baden und in der Sonne liegen. Unser Duschtag auf einem Zeltplatz während eines Gewitters. Eis kaufen im kleinen Geschäft. Übernachten auf dem Floss.

Linkliste

Swedish Emvironmentag Protection Agency: Allemansrecht
Moccacino. Café. Torsbyvägen 4, Ekshärad
Vildmark i Värmland: www.vildmark.se
 
Der Start der Tour am Kläralven
 


 
Zum ersten Teil der Tourbeschreibung gelangen sie hier: Auf einem Floß durch die schwedische Natur, Teil 1

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